Nur so – damit es mal raus ist. Abgeschickt ohne nochmal zu lesen…

Ich habe das Gefühl, dass ich mir etwas von der Seele schreiben muss.
Mein Vater ist tot. Seit 16 Tagen. Und ich bin so unendlich traurig, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Er fehlt mir. Ich bin aber auch wütend. Mit dem Schicksal. Die ersten 29 Jahre meines Lebens wollte ich immer einen Vater haben. So wie die anderen Kinder auch. Einen, der mich verwöhnt, der da ist, der mich toll findet. Dann hab ich meinen Vater wiedergefunden. Und 2 Jahre später stirbt er innerhalb von 4 Wochen an Krebs? Was soll das? Ich glaube ja eigentlich, dass alles im Leben seinen Sinn hat, aber das erschließt sich mir leider gar nicht. Warum durfte ich nur 2 Jahre lang einen Vater haben? Er hat sich auch noch so bemüht, versucht alles verpasste vergessen zu machen.
Die Menschen können zum Mond fliegen, aber niemand konnte meinem Vater helfen? Bevor ich Kontakt zu ihm hatte, habe ich immer überlegt, wer mich irgendwann mal zum Altar führt. Und jetzt? Verdammt, ich will das einfach nicht. Ich WILL, dass mein Vater wieder kommt und mir sagt, dass alles gut wird. Dass er eine Liste anlegt für irgendwas, so wie er es so gerne gemacht hat.
Ich will auch nicht stark sein. Gerade will ich mich einfach ins Bett legen und schlafen, weinen, schlafen… Aber das geht ja nicht. Das Leben geht ja (Gott sei Dank) weiter. Aber die Ohnmacht bleibt.
Ich wäre so gerne positiver und würde nicht bei jedem Lied anfangen zu heulen. Aber dazu fehlt mir die Kraft. Am Wochenende war ich mit Papas Dauerkarte im Stadion, Fußball gucken. Er wäre sauer gewesen, wenn wir die Karte hätten verfallen lassen. Beim letzten Heimspiel waren wir noch zusammen und er war so stolz auf mich. All seinen Kumpels hat er mich vorgestellt und immer so glücklich gegrinst. Letzte Woche saß ich mit seinen Kumpels bei der Beerdigung und gestern alleine mit ihnen im Stadion. Schrecklich war das. Aber mein Vater hat von da oben aus bestimmt, dass unsere Mannschaft gewinnt.
Ich hatte bis Samstag kein Foto von ihm, geschweige denn eins mit ihm. Samstag hat meine Cousine mir eins gegeben, was sie im Mai gemacht hat. Da sieht er total gesund aus. Und meine Stiefmutter hat eins gefunden, auf dem er mich als Baby hält und ganz verliebt anschaut. Ich glaube, er hat mich lieb gehabt, auch wenn er das nie gesagt hat. Zumindest hoffe ich das. Und ich hoffe, ich konnte ihn in unserer kurzen Zeit ein wenig stolz machen.
Verdammt… Filiz hat Gott sei Dank gefühlte 4 Millionen Fotos mit Papa und mindestens genauso viele gute Erinnerungen, die der selbsternannte Spaßminister ihr bereitet. Der Großteil der Zeit, die ich mit meinem Vater verbracht habe, war im Krankenhaus und im Hospiz. Manchmal nervt das Leben mich, weil es so unfair ist. Manchmal weiß ich nicht, wie es weiter gehen soll. Manchmal hoffe ich, dass all das ganz schnell vorbei geht. Und manchmal gibt es wunderbare Freunde, die immer da sind, mich ertragen, wann immer ich heule und/oder wütend bin. Danke, meine beiden “I”-Froindinnen Iris und Ilka.
Papa… danke für unsere kurze Zeit. Und pass bloß von da oben aus auf mich auf. Ich hab dich lieb!

6 Comments

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6 Responses to Nur so – damit es mal raus ist. Abgeschickt ohne nochmal zu lesen…

  1. ilka

    meine liebe maus, jetzt muss ich weinen tun. :-( ich kann dir auch nicht den grund sagen, den sich das doofe schicksal da für dich ausgsucht hat. ich glaube auch, daß alles im leben einen grund hatte, aber der hier erschließt sich mir auch nicht. aber weißt du noch letztes jahr um diese zeit hab ich dich das selbe gefragt. aus anderen gründen. und irgendwie hab ich den grund für mein schicksal auch immer noch nicht gefunden. na ja, irgendwann vielleicht. ich werde bei meinem nächsten besuch in der kapelle ein kerzchen für dich anzünden. so wie letztes mal und den lieben gott bitten ein wenig ruhe und frieden in dein herzchen zu schicken. ich bin sehr froh, daß du diese 2 jahre und diverse gespräche mit ihm hattest und du einblick nun in viele dinge hattest. und vor allem, daß du ein beweis, das foto, hast, daß dein papa dich lieb hat. das sage ich dir jeden tag, dein papa ist ganz arg stolz auf dich, denn er hat eine wundervolle tochter. hab dich lieb

  2. susit

    Ach mensch, das ist ja furchtbar. Ich kann mich noch an den Eintrag erinnern wo du deinen Papa das erste Mal getroffen hast nach so langer Zeit.
    Zumindest konntest du deinen Vater noch zwei Jahre sehen – stell dir vor, ihr haettet euch vor zwei Jahren nicht wieder gesehen und jetzt ist er gestorben und viele Fragen waeren unbeantwortet. Sind sie bestimmt trotzdem – vier Wochen sind viel zu kurz um sich zu verabschieden.
    Dein Vater ist stolz auf dich. Und er hat dich lieb. Und er kuckt dir jetzt ueber den Ruecken von oben.
    Mein herzliches Beileid Silke.

  3. mensch silke, jetzt musste sogar ich eine traene vergiessen und ich heul ja nicht schnell… zudem wir uns ja noch nicht mal persoenlich kennen. wie traurig… leider kann ich nichts sagen oder tun was dir helfen wuerde. ich wuenschte ich koennte es! ich kann dir nur sagen dass es mir leid tut. es muss unheimlich schwer sein zu akzeptieren dass es so passiert ist wie es ist. ich wuensche dir dass du viele freunde und familie hast die dir in dieser schweren zeit beistehen und dass der schmerz bald weniger wird. es tut mir wirklich leid……………….

  4. ich kann gar nicht schreiben weil ich nichts sehen kann vor lauter traenen. :( lass dich lieb druecken maus ok? manchmal macht das leben einfach keinen sinn. die tochter einer bekannten war nur 8 jahre alt und ist letzte woche in deren garten bei spielen verblutet. ich mein wer kann sowas zu lassen???? sehe es positiv und freue dich an den zwei jahren auch wenn es wenig war aber versuche es so zu drehen das du das beste aus eurer zeit gemacht hast. und ich bin mir sicher das er dich lieb hat. ganz sicher sogar. ich bin in gedanken bei dir. lass es alles raus und dann wenn es sich was besser anfuehlt dann biste wieder stark. knutsch

  5. San

    Liebe Silke, danke für diesen Eintrag… nun verstehe ich den Zusammenhang Deiner FB-Status-Updates und ich kann nur sagen, dass es mir unendlich leid tut.
    “Cancer is a bitch”(ein Freund meiner Schwester ist innerhalb von 4 Monaten nach der Diagnose verstorben) und da gibt es keine logische Erklärung oder “everything happens for a reason”-Aussage, die einem das begreiflicher machen könnte.
    Sei dankbar für die zwei Jahre, die Du Deinen Papa gehabt hast… das ist das Einzige, was Du Dir vor Augen halten solltest. Die Zeit war kurz, aber wenigstens hattet ihr eine gemeinsame Zeit!
    Drück Dich fest.

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